Europaprojekttag an Schulen

Bundeskanzlerin Merkel besucht das Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium

Der Europatag mit Frau Merkel am JGH in der "Woche der Kanzlerin"
Der Mittschnitt der Podiumsdiskussion an unserer Schule

Aus Anlass des Europaprojekttages an deutschen Schulen am 6. Mai 2013 besuchte die Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel das Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium. Empfangen wurde sie auf dem Schulhof von der Trommelgruppe Caxixis und den Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 bis 9. Die älteren Schülerinnen und Schülern erwarteten Frau Merkel währenddessen zu einem Podiumsgespräch in der Turnhalle. Zunächst aber wurden der Bundeskanzlerin ausgewählte Europaprojekte präsentiert, die im Laufe des Schuljahres in Kooperation mit Schülerinnen und Schülern aus anderen europäischen Ländern durchgeführt worden waren.

Cathy Sulaiman (Jgst. 12) und Jenny Heckmann (Jgst. 11) stellten das CertiLingua Excellenzlabel vor, das unsere Schule als eine von fünf Berliner Schulen vergeben kann. Mit diesem Zertifikat weisen die Schülerinnen und Schüler Sprachkompetenz in zwei schulisch erlernten Fremdsprachen auf B2-Niveau des Europäischen Referenzrahmens für Fremdsprachen nach. Sie müssen außerdem ca. 150 Stunden bilingualen Unterricht genossen und über ein Projekt auch "Europäische Kompetenz" nachgewiesen haben. Das bedeutet, dass sie sich mit der EU als Institution auseinandergesetzt haben und in der Lage sind, im Team mit Jugendlichen aus anderen europäischen Ländern zu kooperieren. Das Zertifikat soll den Hochschulzugang an europäischen Universitäten erleichtern und hat einen Förderkreis, in dem z.B. auch die Berliner Universitäten vertreten sind. Allerdings sind noch nicht alle EU-Länder an dem Projekt beteiligt. Cathy und Jenny erläuterten, welche Vorteile sie sich für ihren Werdegang erhoffen, welche Projekte im Rahmen des Erwerbs des CertiLingua-Excellenzlabels durchgeführt worden sind und welchen Erkenntnisgewinn sie aus ihren eigenen Projekten gezogen haben.  

Gesine Knauer  (Jgst. 11)  und  Seraphine Schuster  (Jgst. 11) stellten ein trinationales Projekt vor, das in Kooperation mit dem Ludwig-Wolker-Haus durchgeführt wurde. Es heißt "Go green!" und fand im Rahmen einer deutsch-polnisch-lettischen Jugendbegegnung vom 30.09.- 07.10.2012 in Alt Buchhorst, Berlin statt.  Jugendliche aus drei europäischen Ländern arbeiteten eine Woche zum Thema ökologische Lebensmittelproduktion und ihre Alternativen. Mit Hilfe von Expertengesprächen und Hospitationen in unterschiedlichen Lebensmittelproduktionsstätten wurde ihnen ein differenziertes Bild der Thematik vermittelt. Anhand des EU-Planspiels „Eurotopia“ wurden dann  Handlungsmöglichkeiten zur Realisierung der identifizierten Ziele auf gesamteuropäischer Ebene ausprobiert.

Das dritte Projekt stellte Alexander Biber (Jgst. 12) vor. Er hat an der "Simulation Europäisches Parlament" (SIMEP) teilgenommen, die vom 18. - 19. November und vom 9. - 10. Dezember 2012 im Berliner Abgeordnetenhaus und im Bundestag stattgefunden hat. Jeweils 200 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10 bis 13 waren als Abgeordnete, Journalisten oder Helfer an dieser Simulation beteiligt. Ausgerichtet wird SIMEP durch die Junge Europäische Bewegung Berlin Brandenburg e.V.. 

In der Turnhalle wurden außerdem die Ergebnisse eines gemeinsamen Projekts der Fächer Kunst und Politikwissenschaften ausgestellt: Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 waren aufgefordert, ihren Ideen zur aktuellen und historischen europapolitischen Themen mit Hilfe von Scherenschnitten Ausdruck zu verleihen.

Von ausgewählten Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 7 bis 10 war gemeinsam ein sogenanntes Wimmelbild angefertigt worden, in dem die Assoziationen der Schüler zum Thema „Europa“ zeichnerisch zusammengetragen worden waren. Die Bundeskanzlerin signierte das Bild als Erinnerung für die Schule.

Anschließend diskutierte die Bundeskanzlerin in einem von Schülern moderierten Podiumsgespräch mit den Jugendlichen über die Entwicklung und Gestaltung der europäischen Union. Die Schülermoderatoren waren Katja Hertha (Schülersprecherin/ Jgst. 12), Leonie Buttgereit (Jgst. 11), Felix Rohrbach (Klasse 10 d) und Mihera El Tayeb Abdel Kafi (Klasse 10 b). Unter der Leitfrage „In Zukunft mehr oder weniger Europa?“ kamen folgende Themen zur Sprache:

  1. Die Eurokrise (Selbst- und Fremdwahrnehmung der Rolle Deutschlands in der Krise, Spaltung der EU)
  2. Europäische Migrationspolitik (Legale Einwanderungspolitik, Asylpolitik, Beitrag der europäischen Agrarpolitik zur Armut in den Herkunftsländern)
  3. Europäische Umweltpolitik (Atomenergiepolitik, Probleme des Handels mit CO2-Emissionszertifikaten, Kernfusion als Zukunftstechnologie)

Frau Merkel antwortete auf die Beiträge und Fragen der Schülermoderatoren und des Publikums sehr ausführlich und bemühte sich auch komplexe Zusammenhänge anschaulich zu erklären. In ihrem Fazit stellte Katja Hertha fest, dass Frau Merkel offenbar für mehr Europa stehe, auch wenn noch spürbar sei, dass Entscheidungen in der EU schwierig zu fällen sind, weil viele Staaten an ihren nationalen Souveränitätsrechten festhalten wollten. Auf die Frage, ob die EU nun eine Erfolgsgeschichte mit „Happy End“ oder „am Ende“ sei, antwortete die Bundeskanzlerin, dass jede Generation ihre Aufgaben habe und für diese Schülergeneration sicher noch viele Aufgaben übrig bleiben würden. Europas Vielfalt sei eine Chance und Probleme seien dazu da, gelöst zu werden. Abschließend forderte Frau Merkel die Schülerinnen und Schüler auf, sich an der Schaffung eines lebenswerten Europas zu beteiligen.

Der Besuch der Bundeskanzlerin bedeutete ein großes Ereignis im schulischen Leben unserer Schülerinnen und Schüler, aber auch der Lehrerinnen und Lehrer. „Die mächtigste Frau der Welt“ in der eigenen Schule zu empfangen, sich mit ihr fotografieren zu lassen, ihr die Hand zu schütteln, aber besser noch mit ihr über europapolitische Fragen zu diskutieren, das ist sicherlich ein einzigartiges Erlebnis, das auch in der Presse einen regen Widerhall fand. Vom regionalen Lichtenberger Abendblatt bis hin zur bekannten überregionalen Tageszeitung „Süddeutsche Zeitung“, vom RBB-Fernsehbericht in der Berliner Abendschau bis hin zum ZDF-Satiremagazin „heute show“ waren Berichterstattungen zu lesen und zu sehen. Besonders gefallen hatte der Presse die Trommeleinlage der Kanzlerin, die mehrfach kommentiert und sogar satirisch ausgewertet wurde. Vermutlich trommelte die Kanzlerin auf einer der Trommeln unserer Caxixis nur als Entgegenkommen und Wertschätzung unserer jungen Trommlerinnen und Trommler, für die Presse trommelte sie jedoch für Europa oder gibt sogar europapolitisch den Takt an. Letztendlich trommelte sie aber auch für uns, denn die hervorragenden Beiträge unserer Schülerinnen und Schüler zur europapolitischen Debatte fanden so öffentliches Gehör und zeugten von der Qualität unserer gymnasialen Ausbildung.

Der Besuch der Bundeskanzlerin an unserer Schule in Bild und Schrift (Berliner Zeitung)